Donnerstag, 7. Juni 2012

Rezension ~ Eragon von Christopher Paolini

Hallo Leute,
dieser Titel mag irreführend sein, da es sich hierbei nicht um eine direkte Rezension zu einem bestimmten Band der Eragon-Saga handelt, sondern um die Saga an sich und was ich von allen Büchern halte. Man könnte dies hier als Ich-rede-mir-mal-meinen-Ärger-von-der-Seele-Rezension (kurz: Blabla-Rezension) verstehen.

Wer vielleicht schon ein paar ältere Beiträge gelesen hat, wie zum Beispiel MEINE BÜCHERSAMMLUNG, und verschiedene Tags, wie DEN HIER und DIESEN, der wird wissen, dass ich diese Bücher nicht nur nicht mag; Ich hasse sie. Diese Bücher sind einfach mit Abstand die schlechtesten, die ich je gelesen habe und ich werde jedesmal aggressiv, wenn ich nur an sie oder an Christopher Paolini denke...

Wie ihr an den Fotos sehen könnt, besitze ich von dem ersten Band die ganz frühe Auflage. Ich erinnere mich noch, wie ich das Buch bekommen habe. Wir waren im Der Club, denn damals lebte mein Opa noch und er hatte eine Mitgliedskarte und lieh sie uns ab und zu aus. Ich durfte mir ein Buch aussuchen und da fiel es mir ins Auge - ganz hinten in einer Ecke, halb hinter anderen Büchern versteckt, stand es. Der erste Band. Noch ganz ohne den hässlichen rot-schwarzen cbj-Streifen auf dem Buchrücken und der Titel auf dem Cover über dem Bild, nicht darunter. Wie ihr auch sehen könnt, besitze ich auch nicht den letzten Band. Ich habe mich geweigert, diesen schlechten Autor weiterhin mit meinem Geld zu unterstützen!

Nun genug der Vorrede, ich werde dann mal mit meinem Sermon beginnen (es könnte was länger werden^^):

Als erstes war ich noch recht begeistert von dem Buch. Ich war auch noch jung und unerfahren und hatte längst nicht so hohe Ansprüche an ein Buch wie heute. Irgendwie war es schon recht spannend und es ging um Drachen und orkähnliche Wesen, Elfen und Krieger und - hey - der Autor war erst 15 Jahre alt gewesen, als er mit dem Buch begonnen hatte. Das imponierte mir und brachte mich unter anderem dazu, auch eigene kleine Geschichten zu schreiben.

Also begann ich, schwer begeistert, mit dem Lesen. Ich kam anfangs auch gut voran, die Kampfszenen waren spannend und actionreich und die Lehrstunden des unerfahrenen Jungen Eragon waren interessant. Doch dann, irgendwann ab der Hälfte (nach Broms Tod <-- Spoiler, zum Lesen Text markieren) hörte ich erstmal auf zu Lesen? Warum? Weil die Geschichte bis dahin schon fast zu lang war und langatmig wurde. Auf den vielen Seiten war irgendwie viel passiert und gleichzeitig auch wieder nichts. Ständig musste Eragon fliehen und sich irgendwo verstecken, ständig musste man mit ihm mittlerweile uninteressante Lernstunden durchleiden und die Szenen in den Städten waren für mich mehr als einschläfernd.

Meine Schwester las dann das Buch und war ziemlich schnell auch damit durch und empfahl mir, der Geschichte nochmal eine Chance zu geben. Also setzte ich mich nochmal hin und fing wieder an zu lesen. Und genau ab da, wo ich aufgehört hatte, fing es an, spannend zu werden. Die zweite Hälfte hatte ich dann binnen kürzester Zeit durch und empfahl das Buch dann gleich mal meinen beiden besten Freundinnen weiter - wir waren damals in einer ausgesprochenen Fantasy-Phase und rümpften über allem die Nasen, was mit Drachen zu tun hatte, weil es in unseren Augen nur der reinste Eragon-Abklatsch war und nichts an dieses tolle Buch ranreichen würde :D

Also warteten wir ungeduldig auf den nächsten Band, womit sich der gute Herr Paolini, bei Veröffentlichung des ersten Bandes schon 21 Jahre alt, ordentlich Zeit ließ. Zwei Jahre mussten wir ausharren, bis es dann endlich weiter ging. Voller Begeisterung gab ich die 24,95€ für das Buch aus und begann zu lesen. Anfangs war ich auch noch begeistert, aber bei dem Lesen bekam das ganze Buch einen bitteren Beigeschmack: es war langweilig. Stink langweilig. Zwar las ich das Buch in einem Rutsch durch, aber ärgerte mich beim Lesen die ganze Zeit. Zunächst fiel mir da erstmal auf, wie schlecht doch der Schreibstil von Christopher Paolini war. Er schweifte in endlose Beschreibungen von langweiligen Tätigkeiten ab (wie zum Beispiel die Pflanzen- und Tierwelt mit dem Geist erfassen) und beschrieb über Seiten die unwichtigsten kleinen Kleinigkeiten. Dennoch wollte ich ja immer noch wissen, wie es in dem Kampf um Galbatorix weiter geht und blieb daher mehr oder weniger eifrig am Ball, wobei ich echt schwer mit mancher Antipathie zu kämpfen hatte. Zum einen mag ich Nasuada, die Anführerin der Varden, überhaupt nicht. Sie war kalt und erbarmungslos und kommandierte alle auf unerträglich überhebliche  Art und Weise herum. Dann kann ich, jetzt kommt's, Saphira, den tollen Drachen von Eragon, überhaupt nicht leiden. Sie und er immer mit ihren "ich hab dich lieb, Kleiner" und "du bist so toll" und dergleichen ging mir gehörig auf die Nerven. Und tut mir leid, was ist die bitte für ein Drache, die gewisse Lasten nicht tragen kann, aber andere, die nach ihr geschlüpft sind, sind binnen kürzester Zeit beinahe stärker als sie?
Und auch Eragon wurde immer mehr zur Randfigur, was auch am meisten daran lag, dass sein Cousin Roran, im ersten Band noch eine relativ unwichtige Nebenfigur, zur zweiten Hauptfigur mutierte und Eragon den Rang streitig machte. Viele kritisierten dies, aber ich muss sagen, dass die Kapitel um Roran in meinen Augen eindeutig spannender waren und mich mehr fesselten, als die um den eigentlichen "Helden". Dennoch ärgerte ich mich auch bei Roran um die unrealistische physische und psychische Weiterentwicklung, die er durchmachte. Aber wenigstens passierte dort immer was. Bei Eragon hieß es immer nur Lernen, Lernen, Lernen. Besonders nervte es mich, als er ein Kaninchen mit seiner Magie tötete und dann das Fleisch wieder erbrach, weil er zuvor den Geist des Tieres gespürt hatte und fortan zum Vegetarier wurde. Sowieso wurde Eragon mir eine Spur zu heilig und weise, was man möglicherweise auf seine Verwandlung zum Fast-Elfen schieben könnte, aber in meinen Augen unrealistisch blieb.

Die Schlacht am Ende war aber schon ziemlich spannend, weil Eragon und Roran das erste Mal seit Ewigkeiten aufeinander trafen und das erste Mal von ihrer jeweiligen Weiterentwicklung erfuhren. Aber ich regte mich dennoch total auf, dass Eragon und Saphira im Kampf gegen Murthag und Dorn (?) so viel schwächer waren, obwohl sie schon viel länger (und Saphira älter) ein Team waren.
Nach diesem Band beschloss ich, den letzten Band nur noch zu kaufen und zu lesen, damit ich endlich wüsste, wie es ausgeht.

Ja, und dann, nach weiteren drei Jahren Warten, kam der dritte Band endlich raus. Mit der Schocknachricht: Es würde einen vierten Band geben. Angeblich, weil der Herr Paolini noch so viele Ideen hätte, die er alle nicht in einen Band hätte unterbringen können. Bitte? Die ersten beiden Bände hatten eindeutig gezeigt, dass der Autor einfach einen zu ausschweifenden Schreibstil hatte und hätte er einen anständigen (und weniger geldgeilen) Lektor gehabt, hätte man von jedem Band mindestens 100 bis 200 Seiten streichen und kürzen können. Also kam mir natürlich der Gedanke, wie auch vielen anderen, dass es möglicherweise eher um das liebe Geld ging als um die Tatsache, den Fans einen Gefallen zu tun und sie mit noch mehr langweiligen Büchern zu "beglücken".

Dennoch kaufte ich mir den Band mit der Absicht, ihm eine Chance zu geben. Das erste Kapitel fiel durch seine übertriebene Gewaltdarstellung auf. In anderen Büchern mag das in Ordnung sein, aber hier wirkte es irgenwie deplaziert. Die Szenen um die Befreiung Katrinas, Rorans Verlobte, waren aber wieder recht spannend, wobei ich von dem plötzlichen und recht frühen Ende der Ra'zac sehr überrascht war. Katrina und Roran konnten auf Saphiras Rücken zurück zu den Varden fliegen, doch Eragon musste sich um Katrinas geblendeten Vater kümmern, den sie ebenfalls bei den Ra'zac fanden. Und da diese recht weit oben auf einen Berg mit äußerst glatten Steilwänden hausten, hatte Eragon ein Problem ihn und den Mann da runter zu bringen. Und Eragon redete über eine halbe Seite lang laut mit sich selbst, was er machen könnte, um von den Berg zu können. Einerseits war ja Saphira weg und da sie immer noch so schwach war konnte sie nicht drei Menschen tragen, andererseits konnte Eragon keine Magie benutzen, da sie ihn möglicherweise verraten und die Anstrengung ihn getötet hätte. Ja, was macht man da nur? Aber, wie Eragon richtig feststellte, brachten ihn Selbstgespräche auch nicht weiter. Nachdem er dies alles in lauter wörtlicher Rede von sich gegeben hatte und dann am Ende noch das mit den Selbstgesprächen meinte, musste ich vor Wut das Buch erstmal zuschlagen und konnte es eine Woche nicht weiter lesen, so sauer war ich, dass dieser Autor so schlecht schreibt. Dann las ich weiter, aber es wurde nicht wirklich besser. Ständig führte Eragon mit sich, Saphira, der Elfenkönigin und Nasuada seitenlange politische und langweilige und dämliche, ergebnislose Unterhaltungen und man fragte sich die ganze Zeit: Will da jemand Seiten voll kriegen?

Sowieso verkam Eragon zu einem Laufburschen, der ständig von einem Ort zum anderen rennen (Betonung liegt auf rennen, nicht fliegen, denn Saphira und er waren oft getrennt) und Nachrichten überbringen musste, aber als Drachenreiter, als derjenige, der bekanntlich über das Schicksal der Welt bestimmt, durfte er zu nichts und niemandem seine eigene Meinung kundtun. Roran, der ehemals einfache Bauernjunge, wurde mittlerweile zum unschlagbaren Supersoldaten, der in einer Schlacht 183 Soldaten mit einem Hammer erschlagen konnte. Auch Eragon streckte gerne hier und dort den ein oder anderen (unschuldigen) Menschen nieder, aber Fleisch kann er ja nicht mehr essen, weil ja auch Tiere Gedanken haben - ja ne, ist klar! 

Ich habe das Buch nicht mehr zu Ende gelesen und habe das auch nicht vor. 

Ich ärgere mich die ganze Zeit, fast 75€ in diese Bücher und diesen Autor investiert zu haben. Ich könnte noch Stundenlang so weiter machen, aber dann wäre ich morgen noch nicht fertig. Meine Freunde wissen mittlerweile auch, dass sie mich auf diese Bücher nicht ansprechen, da sie wissen, dass ich dann einen Anfall kriege und erstmal eine halbe Stunde über diese Bücher schimpfe. Ich weiß auch, dass dieser Text sehr polemisch ist und ich weiß auch, dass es genug Leute gibt, die diese Bücher unbeschreiblich gut finden und ich akzeptiere das auch, aber dies hier ist nun mal meine Meinung und wollte sie jetzt auch mal niederschreiben.

Sollte Christopher Paolini jemals wieder ein Buch schreiben, weiß ich jedenfalls wer es nicht kaufen wird: Ich!

Daher sage ich abschließend:




Habt ihr auch diese Bücher gelesen? Was haltet ihr von denen (keine Sorge, wenn ihr sie gut findet, werde ich euch nicht den Kopf abreißen :D)? Lasst gerne euren Kommentar da :)

Außerdem möchte ich hier meine liebe Freundin Janina grüßen :) Dieser Text passt zwar nicht unbedingt dazu, jemanden zu grüßen, aber trotzdem :D Ich freue mich, dass sie diesen Blog hier liest :) <3

Kommentare:

  1. Oha, keine Kommentare bei so einem guten Post? >,< Da muss ich was dran ändern!
    Erstens mal tuts mir echt leid, dass du das Ganze in Hardcover hast! Die sind nämlich wirklich schweineteuer.. Ich habe zwar auch Hälfte Hälfte, aber nur, weil der Autor wirklich unnormal lange für so ein Buch brauchte..
    Ich kann deine Standpunkte echt verstehen und das leuchtet wirklich alles ein was du dir da von der Seele schreibst :D
    Eragon war mein erstes richtig Buch das ich je gelesen habe, also bin ich da bisschen emotional beeinflusst, haha. Ich dachte aber immer dass der etwas anstrengende Schreibstil den Flair des Buches rüberbringen soll, dieses Altertümliche, Mystische, mit den Zwergen und Elfen und Drachen und so weiter. Wäre das mit einem pfiffigen Jugendhumor geschrieben gewesen, hm, ich weiß nicht so recht ob das dann noch so wirklich zur Geschichte gepasst hätte.
    Wie gesagt du hast ja Recht. Es ist schrecklich überzogen. Es hat schreckliche viele Längen. Viele Trainingsszenen sind langweilig. Das Lernen erst recht. ABER so richtig mitreden kann ich da nicht, den ersten Teil habe ich nämlich vor etlichen Jahren gelesen und kann mich so gut wie GAR NICHT erinnern.. Obwohl ich den 4. Teil vor ein paar Monaten erst gelesen habe. (Ja, ich hab durchgehalten! UND ICH WEISS JETZT WIE ES AUSGEHT! :D Bist du nicht neugierig?) Aber weil ich ja schon laaange den Anschluss verloren hatte, eben durch diese ewig lange Zeit die zwischen dem Erscheinen der Bücher liegt, hab ich mir nicht viel erwartet, also bin ich nicht wirklich enttäuscht worden.
    Dass Eragon die schlechtesten Bücher aller Zeiten sind - ist nicht so meine Meinung. Wenn ich die Wörter "schlechtes Buch" höre denke ich spontan immer - EVERMORE! Eigentlich sollte man die ganz nicht Bücher nennen dürfen, das ist ja Büchervergewaltigung.. Mein Zorn ist so unendlich dass ich schon eigene Wörter dafür erfinde :D! Zwischen Evermore und mir ist das also so ähnlich wie zwischen dir und Eragon..
    1 Buch von 5? Das ist aber richtig hart. :D Und ich fand's sehr interessant deine Meinung zu lesen (: Machst du das öfter, dich so über Bücher aufregen? Falls ja, würde ich gerne mehr von dir lesen xD

    Alles Liebe!

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    1. Hey,
      deinen Kommentar zu diesem Post habe ich irgendwie erst jetzt entdeckt^^
      Danke, es freut mich sehr, dass dir meine Hasstriade gegen Eragon gefallen hat :D Diese Bücher... hach, ich merke, dass ich schon wieder auf 180 bin, wenn ich nur daran denke. Aber hey, ich dachte schließlich auch mal, dass der erste Band total super war, aber irgendwann wächst man da hinaus und merkt erstmal, wie schlecht manche Bücher sind, die man als Kind/Teenager toll fand.
      Das Buch Evermore kenne ich persönlich jetzt nicht, habe aber schon häufiger gehört, dass es zu dem Buch ganz schön krasse gespaltene Meinungen geben soll.
      Es ist auf jeden Fall gut so, dass es immer unterschiedliche Meinungen gibt. Ganz kann ich zwar nicht verstehen, wenn Leute sagen, dass sie Eragon "total supi" finden, aber ich lasse ihnen ihre Freude^^
      Und nein, ich bin nicht wirklich interessiert, wie die Geschichte ausgeht. So grob weiß ich es sogar, weil mir ein Kumpel das Ende verraten hat (und auch er war mega enttäuscht, er meinte nur: Herr-Der-Ringe-Klau der übelsten Sorte, aber das ist dem Herrn Paolini ja schon häufiger passiert). Ich war total geschockt, als ich erfahren habe, dass der gute Herr überlegt, sogar noch einen fünften Teil zu schreiben, um alle offen gebliebenen Fragen zu beantworten!!! Hätte er einfach mal in den vier Bänden vorher nicht so rumgeschwafelt, dann hätte er das alles sicher auch in 2-3 Bänden klären können^^
      So, nun höre ich lieber wieder auf, sonst geht das noch Stunden so weiter :D

      Grüße, KQ

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  2. Endlich mal jemand, der genau das gleiche Problem hat wie ich.
    Den ersten Band fand ich eigentlich für das Alter, in dem Paolini das Buch geschrieben hat in Ordnung, den zweiten fand ich etwas zäh, den dritten eigentlich wieder richtig gut, den vierten fand ich einfach nur grausig.
    Und nu weiß ich auch nicht, was ich mit der Reihe machen soll. Komplett weggeben will ich sie eigentlich nicht, aber mich ärgert auch der megahohe Preis, den ich da investiert habe.
    Und ich schließ mich dir an: der vierte Band war das letzte Buch, was ich von Paolini gekauft habe. Damit hat er es sich einfach mal total bei mir verscherzt.
    Hab auch ne relativ vernichtende Rezi zum vierten Band geschrieben, falls du dich mit jemandem über die Bücher auslassen willst, kannst du gern mal bei mir vorbeigucken ;)

    Liebe Grüße,
    Lyrica

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  3. Aus aktuellem Anlass muss ich auch ein wenig Dampf ablassen:
    Nachdem ich irgendwann vor langer Zeit den Film zum Buch gesehen und ihn für ziemlich gut empfunden hatte, hatte ich mir damals die ersten beiden Bände von Eragon geleistet [zum Glück als Taschenbücher...]. Sie standen dann bis vor Kurzem unbeachtet und ungelesen in meinem Regal, bis mich vor ein paar Tagen das schlechte Gewissen gepackt hat und ich mir Band 1 vorgenommen habe.

    Erst einmal fand ich das Buch nicht sooo schlecht, wie ich nach einigen Rezensionen befürchtet hatte und mir war schlichtweg bewusst, dass ich als 25jähriges Mädel auch schlichtweg nicht ganz in die Zielgruppe des Buches passe. Trotzdem hat mich das Buch an manchen Stellen beinahe zur Verzweiflung gebracht. Mein Hauptproblem lag darin, dass ich Eragon furchtbar fand: naiv und arrogant und besserwisserisch und "Warum sollte ICH mir von irgendwem etwas sagen lassen, schließlich bin ICH der große Drachenreiter!". Nachdem dann ursprünglich Wert darauf gelegt wurde zu erklären, dass Drachen nicht nur geflügelte Reittiere waren, sondern eine gleichwertige Partnerschaft zwischen ihnen und den Reitern bestand, fand ich es auch störend, wie Eragon ständig in diesem Befehlston mit Sapphira geredet hat. Abwechselnd mit Liebesbekundungen. Und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, dass der Drache am Stockholm-Syndrom leidet.
    Das Einzige, das mich am Ball gehalten hat, waren wieder mal die Nebencharaktere. Brom und Murtagh fand ich toll, auch wenn es mir unbegreiflich ist, warum sie Eragon nicht schon nach den ersten fünf gemeinsam verbrachten Minuten ein Messer in den Rücken gerammt haben. ICH hätte das jedenfalls getan >>" Aber naja, große Hoffnung und so... nicht?
    Ich hatte beim Lesen immer im Hinterkopf, dass Paolini beim Schreiben der Geschichte selbst noch ein Kind gewesen ist, weshalb ich über vieles hinweg gesehen habe. Trotzdem fand ich, dass er mit dem Buch das eine oder andere wohl überkompensiert hat. Er hat sich teilweise mit zu vielen, zu mächtigen Fähigkeiten selbst ein Bein stellt. Klar, so manches was Eragon angeblich mit Magie anstellen kann, hört sich überaus spannend an, ABER er ist nunmal nicht der Einzige Drachenreiter/Magier auf diesem Erdenrund und Paolini schien das oftmals zu vergessen. Wenn Eragon eine Fähigkeit nach gefühlten fünf Minuten beherrschen kann, was hält dann Galbatorix davon ab, es ihm gleichzutun? Zumal der als junger Drachenreiter anscheinend auch als überaus talentiert gegolten hat, professionell ausgebildet wurde und zu allem Überfluss auch noch ein paar Jahrzehnte Praxiserfahrung mehr auf dem Buckel hat. Wenn es mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte Eragon schon nach den ersten fünf Minuten auf Galbatorix Bildschirm tot sein müssen.
    Außerdem war nach spätestens der Hälfte des Buches klar, dass Eragon die typische Mary-Sue ist [wie heißen die beim männlichen Chara? Oo]: In Rekordzeit ist er a) der geschickteste Schwertkämpfer überhaupt b) ein Ausnahmetalent in Sachen Magie c) ohne Vorkenntnisse des Lesens mächtig und d) ein Naturtalent in Sachen Sprachen, denn wer sonst kann innerhalb von ein paar Wochen [wenn überhaupt!] eine komplexe ausgestorbene Sprache lernen! Es gab da noch ein paar andere Punkte, aber ich bin so sauer, dass mir die momentan nicht einfallen wollen. Außerdem geht sein Pseudo-moralisches Verhalten einem nach einer Weile auf die Nerven, besonders wenn er damit ältere und erfahrenere Charaktere [sprich solche, die nicht erst seit drei Wochen auf der Flucht sind] zu belehren versucht. "Nein Murtagh! Das war wirklich böse! Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich dir vertrauen kann! Schäm dich! Du musst dringend etwas tun, um dich bei mir zu entschuldigen!" -> besonders, nachdem Eragon Brom und sich mit seiner naiven "Ich bin ein nettes Kind und bringe keine bösen Leute um"-Verhaltensweise schon einmal in Teufels Küche gebracht hat. Murtagh hätte lieber ihn enthaupten sollen. Das wäre für alle Beteiligten das Beste gewesen.

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  4. Aber Mr. Perfect denkt nun mal immer nur an sich selbst: was er tut ist richtig, was er glaubt ist moralisch vertretbar, er ist der Beste und der Größte und das mit dem Drachenreiter ist ihm DEFINITIV zu Kopf gestiegen und das verdammt schnell. Dabei ist es eigentlich immer er, der alle anderen in Gefahr bringt. Hm... das ist äußerst mysteriös, wo er doch immer so äußerst überlegt handelt.

    Nachdem ich dann gestern das Buch zu Ende gelesen [und in die Ecke gepfeffert] hatte, habe ich mir noch mal den Film angesehen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der alles andere als schlecht ist. Wäre das Buch ein wenig so wie der Film, wären meine Mordgedanken wohl etwas milder ausgefallen. Fakt ist: die Änderungen beim Film haben mich überhaupt nicht gestört. Wenn, dann haben sie die Geschichte eigentlich sogar an einigen Stellen glaubwürdiger gemacht. Aber Eragon nervt im Film auch. Weniger als im Buch, das muss ich zugeben, aber seine arrogante "Jetzt bin ich hier der Chef"-Art schimmert auch im Film deutlich durch.
    Und wo zur Hölle sind im Film die Zwerge geblieben?! Oo Ich weiß ja, dass es schwieriger ist diese im Film darzustellen, aber man kann sie doch nicht einfach komplett weglassen!
    Ich fand es auch schade, dass Pamela [und das Katzenvieh] im Film nur so kurz angeschnitten wurde und die Zwillinge gar nicht vorkamen. Vor allem diese als Eragons Gegenspieler in den eigenen Reihen, fand ich im Buch äußerst gelungen. Allerdings fand ich es gut, dass die Wahrsagerei-Geschichte im Film nur grob und kurz ausgefallen ist. Im Buch verrät sie einem ja eigentlich schon, wie die Bücher oder zumindest bestimmte Handlungsstränge ausgehen.


    Das musste jetzt einfach mal alles raus. Ich werde mir Band 2 wohl noch durchlesen. Mehr oder weniger wegen Murtagh, auch wenn ich mir jetzt schon sicher bin, dass Eragon mich in den Wahnsinn treiben wird. Ich bin schon gespannt, was er in Band 2 noch so alles lernen wird. Ich tippe auf Eiskunstlauf und Tiefseetauchen. Oder ne zweite Fremdsprache. Die der Zwerge würde sich anbieten. Sollte für ihn ja kein Problem sein.

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  5. Eine schöne Rezension. Ich habe auch nie den Hype um diese Serie verstanden. Natürlich ist es bewundernswert, wenn jemand mit 15 schon einen Roman schreibt. Aber deswegen muss man diesen ja nicht gleich als den Heiligen Gral der Belletristik verkaufen. Als Jugendbuch vielleicht noch ansprechend, konnte ich nie erkennen, was so viele ältere Leser daran fanden. Leider spielt da wohl auch immer die Erwartung mit rein, denn wenn dir jeder sagt, dass das doch so ein tolles Buch sei und wie toll das doch ist, dass der Autor noch so jung war, dann ist man wohl geneigt, das Buch auch selbst positiver zu bewerten bzw. sich nicht zu trauen, Kritik zu üben.
    Insofern finde ich deine Rezension erfrischend anders, danke!

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