Montag, 8. Oktober 2012

Rezension ~ Der Kinderdieb von Brom

Hallo Leute,
der Monat Oktober scheint tatsächlich ein erfolgreicher Buchmonat zu werden. Immerhin, drei Bücher sind schon gelesen und es sollen noch viel mehr werden (höhö). Die letzten vier Tage habe ich mit Der Kinderdieb von Brom zugebracht, wobei ich an einem Tag (gestern) gar nicht gelesen habe, weil ich bei meiner besten Freundin war.

Inhalt                                                                             

Als Drogendealer in das Haus seiner Mutter und Großmutter ziehen, erlebt bald der vierzehnjährige Nick die Hölle auf Erden. Die Dealer, allen voran Marko, quälen und misshandeln ihn und schließlich weiß er keinen anderen Ausweg mehr, als zu fliehen. Mit den geklauten Drogen im Rucksack wird er schon bald von Markos Schergen ausfindig gemacht und Nick weiß, dass er gleich sterben wird. Doch dann taucht ein seltsamer Junge mit flammend rotem Haar und spitzen Ohren auf und rettet Nick das Leben. Der Junge, der sich selber Peter nennt, bietet Nick an, ihn in die Welt von Avalon zu begleiten, wo Nick sicher wäre. Doch während Nick Peter zunächst nur für einen Spinner hält, ihm aber dennoch folgt, muss er bald erkennen, dass es jenes Avalon wirklich gibt. Aber Peter hat ihm nicht die Wahrheit gesagt: Avalon liegt im Sterben und Nick findet sich auf einmal in einem tödlichen Kampf zwischen Menschen und Feenwesen wieder und er muss bald feststellen, dass das Leben in Avalon schrecklicher und noch gefährlicher als das ist, was er schon zuvor unter Markos Tyrannei erdulden musste.

Meine Meinung                                           

Krass. Das ist das erste Wort, das mir zu dem Buch als erstes einfällt. Ich habe zwar mit einer düsteren Märchenadaption von Peter Pan gerechnet, aber gewiss nicht mit dem, was mich in dem Buch erwartet hat. Dieses Buch ist einfach nur heftig. Krass. Schon der Beginn ist nicht sehr schön. Ein Mädchen wird von seinem Vater vergewaltigt. Peter springt ein, tötet den Mann und lockt das Mädchen nach Avalon. Erst nach diesem Prolog wird Nick, die Hauptperson neben Peter, eingeführt. Sein Leben läuft wirklich erbärmlich und sein Fluchtversuch wäre ziemlich schnell gescheitert, wenn Peter ihm nicht das Leben gerettet hätte. Denn Peter sucht nach eben solchen Kindern: Kinder, die vernachlässigt und misshandelt werden. Kinder, die ein schreckliches Leben führen. Kinder, die nichts mehr zu verlieren haben. Peter schafft es, Nick zu überreden, ihm nach Avalon zu folgen und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Peter ist durchaus kein sympathischer Protagonist. Er ist kaltblütig und berechnend und hat viele Leben auf seinem Gewissen. Auch die Tatsache, dass er die Kinder wohl wissentlich in Gefahr bringt, wenn er mit ihnen nach Avalon geht, scheint ihn nicht zu kümmern. Überall in Avalon liegen die Leichen der Kinder, die für Peter im Kampf gegen die Erwachsenen gestorben sind. Dennoch tut einem Peter auch unendlich leid. Anfangs erfährt man eine Menge über Peter anhand von Rückblenden, die über seine Geburt, seine Kindheit und seine Zeit vor Avalon berichten. Tatsächlich musste der Junge schreckliche Dinge durchleiden und hatte niemanden, der ihn liebte, bis er schließlich nach Avalon kam, wo die Dame, die Herrin des Landes, ihm endlich die mütterliche Liebe gab, die er sich suchte. Daher kann man ihn schon verstehen. Man hat einfach unendliches Mitleid mit ihm.

Auch die anderen Charaktere weisen viel Tiefe auf und man erfährt von fast allen, dass sie eine grauenvolle Vergangenheit durchlebt haben. Sei es Abraham, der als Sklave in den Kolonien gelebt hat und dem seine Hand abgehakt wurde, oder Sekeu, die als Indianermädchen ebenfalls Folter und Schmerz von den Amerikanern erdulden musste, oder Blutrippe, der sich prostituieren musste und beinahe von einem Zuhälter umgebracht worden wäre.

Dennoch schafft der Autor es, dass man als Leser nicht nur Mitleid, sondern auch Skepsis empfindet. Der Leser weiß einfach die ganze Zeit, dass die Kinder nicht richtig handeln und möglicherweise selber zu schlimmen Menschen mutiert sind. In Avalon kämpfen sie gegen eine Gruppe von Erwachsenen, die vor 300 Jahren mit ihren Schiffen vom falschen Kurs abgekommen und auf Avalon gestrandet sind. Sie altern zwar nicht, ebenso wie die Kinder, die Peter herbringt, aber durch die Tatsache, dass sie erwachsen sind, sind ihre Körper vermodert und deformiert und werden von den ursprünglichen Bewohnern Avalons nur "Fleischfresser" genannt. Diese sind die eigentliche Bedrohung von Avalon und seit sie dort sind, stirbt das Land. Die Dame konnte mit letzter Kraft einen Nebel errichten, wo die Erwachsenen nicht mehr hindurch können. Aber auch Nick, der schnell die Nase von dieser kranken Welt voll hat, kann ebenfalls nicht mehr durch den Nebel zu seiner Mutter.

Die Sprache in dem Buch ist stellenweise mehr als derb. Ausdrücke wie *Verfickter Hurensohn*, *Wichser* oder auch *ich reiße dir deine Augen aus und stecke sie dir in den Arsch* kommen ziemlich oft vor. Manch einer mag erschrocken sein und denken, dass sie nicht in die Welt von Avalon passen, aber ganz ehrlich: sie passen. Die beiden Welten, die der Autor hier beschreibt, sowohl unsere Welt als auch Avalon, sind grauenvoll und gefährlich. Besonders für Kinder. Auch die Szenen, die die Kinder durchleiden müssen finden Tagein Tagaus statt, viele Kinder müssen wirklich solche schrecklichen Dinge jeden Tag durchleben. In manchen Rezensionen wurde kritisiert, dass der Autor nur schockieren möchte. Ich glaube eher, dass er auf das Elend vieler Kinder aufmerksam machen möchte. Und zu was Kinder bereit sind um diesem Elend zu entgehen, wie leichtgläubig sie teilweise noch sind. Ebenso wurde die Grausamkeit von vielen kritisiert. Sei es, dass *Bäuche aufgeschlizt wurden und die Gedärme rausfielen*, oder *Köpfe von Kindern abgehakt wurden* oder auch, dass *Mädchen teilweise auf grausamste Weise vergewaltigt und Männern die Genitalien abgeschnitten wurden*. Ja, diese Szenen sind absolut grauenvoll und schrecklich. Ich musste mehrmals das Buch beiseite legen und dachte beim Lesen immer nur "Boah krass. Boah. Heftig. Scheiße krass. Oha. Boah ne." Die Leute in der Bahn mussten echt gedacht haben, dass ich spinne. Aber dennoch hatte ich nicht einmal das Gefühl, dass der Autor sich an Grausamkeit ergötzt. Es stellt nun mal einen Teil der Welt dar, die er beschreibt. Zum Ende hin erfährt man auch einiges aus der Sicht der Erwachsenen, bzw. aus der Sicht vom Kapitän, der natürlich Kapitän Hook verkörpert. Da beginnt sogar der Leser, Sympathien für die Erwachsenen zu empfinden, für die Fleischfresser und bemerkt, dass es eben nicht nur gut und böse gibt, sondern auch immer etwas dazwischen. Besonders Nick erkennt dies.

Das Ende läuft auf einen krassen blutigen Showdown hinaus, wobei das ganze Buch vor Kämpfen und Schlachten und Blut fast nur so überquillt. Die letzten 200 Seiten haben mich nochmal besonders gepackt, denn schließlich wollte ich unbedingt wissen, wie die ganze Geschichte für Peter, Nick und die anderen ausgeht. Nun, was soll ich sagen? Das Ende ist ein wenig offen. Und ein klein wenig unbefriedigend. Gleichzeitig ist es wiederum schön und besonders der letzte Satz hat mich zutiefst bewegt. Gegen Ende musste ich mir sogar die ein oder andere Träne verkneifen.

Fazit                                         

Ein Buch, das ich so noch nicht gelesen habe. Es ist spannend und erschreckend und hat mich von der ersten Seite an gepackt. Es steckt nicht nur Grausamkeit drin, sondern auch viel Gesellschaftskritik, die einen zum Nachdenken anregt. Bei allem, was während der Geschichte jedoch passiert, bin ich der Meinung, dass dieses Buch erst ab 16, besser ab 18 Jahren geeignet ist. Die Ausdrücke, mit denen um sich geschleudert wird oder auch die Dinge, die mit den Charakteren passieren, sind wirklich nicht Ohne. Wer eine nette kleine gruselige Märchenadaption erwartet, wird enttäuscht. An das Buch sollte man sich wirklich nur wagen, wenn man einen starken Magen hat und gegen detaillierte Beschreibungen von Tötungsarten relativ gefeit ist. Das Buch hat mir aber wirklich gut gefallen und ich kann es an Leser über 18 wirklich weiterempfehlen. Einen Punkt Abzug gibt es für das Ende, das ich mir ein wenig anders gewünscht hätte. Daher vergebe ich abschließend


Sonstige Infos
Autor: Brom
Titel: Der Kinderdieb
Originaltitel: The Childthief
Reihe: /
Verlag: Pan-Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag
Seiten: 664
Preis: 16,95€


Der Buchtrailer

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Kommentare:

  1. Woah, selten so eine gute Rezi gelesen, echt super, ganz ganz großes Lob!

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    1. Danke für das Kompliment *rotwerd* :)
      Liebe Grüße, KQ

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  2. Von dem Buch habe ich noch überhaupt nichts gehört, aber nach deiner Rezi habe ich echt Lust es zu lesen :D Es klingt nach einem richtig gutem Buch. Das muss ich doch gleich auf meine Wunschliste setzen.

    Liebe Grüße. Jani
    http://janis-allerlei.blogspot.de/

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    1. Ich kannte das Buch vorher auch überhaupt nicht, es war ja ein totaler Spontankauf. Ich kann es wirklich empfehlen, wenn man nicht zu zart besaitet ist. Ein tolles Buch :)
      Liebe Grüße, KQ

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  3. Das Buch steht auch noch auf meinem SuB, aber nach deiner Rezi weiß ich nicht mehr, ob ich das wirklich noch lesen will. :D

    Das klingt ja alles total heftig und mich nehmen so ne Geschichten immer total mit. :(

    Aber wirklich eine sehr schöen Rezension!

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    1. Hey,
      da schon auf den ersten Seiten teilweise ganz schön die Post abgeht, kannst du dich ja bei Zeiten an die ersten Seiten wagen und dann abschätzen, ob das Buch was für dich ist :)
      Liebe Grüße, KQ

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  4. Wow, jetzt muss ich das Buch doch wirklich mal aus der Folie packen. So langsam erinnere ich mich auch wieder weshalb ich es gekauft hatte^^ Auf dem ersten Blick hatte ich es noch eher für ein Kinderbuch gehalten oO Das ist ja schon krass, dass es dann in eine so gegenteilige Richtung geht. Ich bin gespannt^^

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    1. Hallo Tina,
      es freut mich, dass meine Rezension dich zum Lesen anregt (oder zumindest dazu, das Buch aus der Folie zu packen xD). Ich habe damals auch gedacht, dass das Buch ein Kinderbuch sei. Düster zwar, aber immer noch für Kinder geeignet. Schon auf den ersten Seiten wurde ich eines besseren belehrt. Ich hoffe, es wird dir so gut gefallen wie mir :)
      Liebe Grüße, KQ

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    2. Es sieht halt auch irgendwie so nach Kinderbuch aus! Mit dem Titel, dem Peter Pan Thema und von PAN wurde es ja auch noch verlegt, die damals schon eher Jugendbuchverlag waren. Schon irgendwie heftig, dass das dann nicht dementsprechend gekennzeichnet wurde. Also so wie sich das bei dir anhört, stell dir vor, das Buch schenkst du ausversehen nem 12 jährigen oder so oO

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