Dienstag, 22. Januar 2013

Gastrezension ~ Die Träume des Jonathan Jabbok von Ralf Isau

Hallo Leute,
erst einmal möchte ich mich für die tollen und äußerst interessanten Kommentare von euch zu meinem GESTRIGEN Beitrag bedanken. Ich habe sie begeistert und interessiert gelesen. Morgen werde ich auch auf jeden einzelnen die restlichen von ihnen antworten, aber ich muss zugeben, dass ich von der Arbeit heute so k.o. bin, dass ich mich gleich nur noch ins Bett lege und schlafe.
Aber jetzt soll es um etwas anderes gehen: Wie ihr an der Überschrift unschwer erkennen könnt, gibt es heute bei mir auf meinem Blog den ersten Gastbeitrag. Und der stammt von meiner Schwester. Diese hat nämlich so viele tolle Bücher gelesen, die ich gar nicht kenne und die recht unbekannt sind und sicherlich mehr Leser verdient hätten (mich eingeschlossen). Ich habe sie mal gefragt, ob sie Lust hat, vielleicht das ein oder andere Buch zu rezensieren und heute kommt also die erste Gastrezension. Keine Sorge, ich werde den Blog mit niemandem teilen und 99,9% dessen, was hier veröffentlicht wird, wird auch weiterhin von mir stammen ;) Aber ab und an kommt vielleicht mal eine Gastrezension, wenn euch das nicht stört. Ich hoffe, euch gefällt es!

BILDQUELLE

Inhalt 

Jonathan Jabbok, Enkel des ehrenwerten Lord Jabbok, ist seit seiner Jahre zurückliegenden Erkrankung an Kinderlähmung an den Rollstuhl gefesselt. Diese körperliche Einschränkung, sowie die konservative Umgebung seines Knaben-Internats, lassen ihn immer häufiger in seine Traumwelt abdriften. Diese Träume jedoch erweisen sich als anders als Träume üblicherweise zu sein pflegen. Seit seiner Erkrankung träumt Jonathan jede Nacht von Yonathan. Sein "Traum-Bruder" ist so, wie es Jonathan sein könnte, ohne seine Behinderung. Yonathan spielt, lacht, erlebt Abenteuer in der Welt Neschan, die der Erde so ähnlich und doch völlig fremd ist. Und jede Nacht erträumt Jonathan etwas anderes. Nie wiederholt sich eine Episode seiner Träume. Nein, sie werden Nacht für Nacht fortgesetzt und Jonathan kann sich an jeden dieser Träume erinnern. 

Alles nimmt eine neue Wendung als Jonathans "Traumbruder" Yonathan bei einem seiner kleinen Abenteuer einen besonderen Stab in einer Höhle findet. Dieser Stab, der Stab der Richter Neschans, muss nach Süden zum sechsten Richter gebracht werden und kein anderer als Yonathan soll diese Aufgabe übernehmen. 

All dies wäre ja auch kein Problem, wenn Jonathan nicht das Gefühl hätte, dass er mit jedem Tag den Yonathan stärker wird, an eigener Lebenskraft verliert.

Meine Meinung

Es ist wirklich schon lange her, dass ich dieses Buch, das den Auftakt einer Trilogie darstellt, gelesen habe. Jedoch zähle ich diese Reihe zu meinen liebsten Büchern überhaupt und wahrscheinlich zu meinen allerliebsten Jugendbüchern. Der Autor der Neschan-Trilogie ist Ralf Isau und er ist ein deutscher Schriftsteller, der seit den späten 80er Jahren als Autor arbeitet.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass sich die Handlung auf zwei verschiedenen Ebenen abspielt. Zum Einen in Schottland zwischen den beiden Weltkriegen, wo der Junge Jonathan mit seiner Behinderung, erzkonservativen Religions-Lehrern und seinen merkwürdigen Träumen zu kämpfen hat und dabei nur von seinem Großvater und dem Diener Samuel unterstützt wird. Die zweite Ebene spielt sich in Jonathans Träumen ab, in denen der Junge Yonathan die Hauptrolle spielt. Yonathan lebt in der Welt Neschan, die einerseits als klassische Fantasy-Welt (d.h. mittelalterlich inspriert, ungewöhnliche Wesen, gut gegen böse, ein monarchisches Herrscherhaus etc.) angelegt ist, andererseits in seinen religiösen Elementen an den christlichen bzw. jüdischen Glauben angelegt ist.

Beide Jungen, Jonathan und Yonathan, obwohl sie mehr verbindet als nur ihre Namensähnlichkeit (wer hätte es gedacht^^), werden gut charakterisiert und man erkennt schnell die Ähnlichkeit in ihren Wesen, ebenso wie die deutlichen Unterschiede, die sich vor allem durch die variierenden Lebensumstände herausgebildet haben.  Beide sind sehr vernünftig, sehr gläubig, fühlen große Zuneigung zu ihren Verwandten/Bekannten und müssen dennoch beide auch lernen mit Vorurteilen und Verurteilungen umzugehen. Gleichzeitig ist Jonathan sehr ruhig, stets besonnen und belesen, während Yonathan sich schon mal in seiner Umgebung verliert, erst Verantwortung lernen muss, aber auch viel offener ist als der behinderte, zurückgezogenen Jonathan.

Der Anfang zeigt sich sehr beschaulich, Jonathans Abschnitte nehmen viel Platz ein und sein Alltag wird eingeführt, bis er nach einem Disput im Religionsunterricht auf seinen Wunsch, sowie den Wunsch des Großvaters hin nach Hause geholt wird.
Etwa gleichzeitig geschieht in Jonathans Träumen etwas Unvorhergesehenes. Yonathan findet bei einem Sturz in eine Höhle diesen Stab, der sich schon kurze Zeit später als besonders herausstellt - besonders wichtig, besonders gesucht und vor Allem besonders mächtig.

Während Yonathan sich auf die Reise nach Süden macht, um den Stab zum sechsten Richter Goel zu bringen, kann Jonathan nur zusehen wie sich seine Träume immer mehr verselbstständigen. Und nicht nur das - seine Träume scheinen ihm Zeit zu stehlen, oder wie kann es sein, dass er sich an manche Tage nicht mehr erinnern kann, sondern nur noch an die Geschehnisse in seinen Träumen?
Die Charaktere der Figuren stellen zwar vordergründig Stereotypen dar, aber sie sind so mitreißend beschrieben, dass es einem nichts ausmacht, dass der Großvater grummelig, aber gutmütig, der beste Freund treu aber trottelig ist oder der Bösewicht wie immer schlau und gerissen und dem Held einen Schritt voraus.

Ein ganz besonderes Lob möchte ich für die Figur Din-Mikkith ausprechen, die ich so besonders und ungewöhnlich finde, wie selten einmal gelesen. Daher möchte ich hier gar nicht so viel zu ihr sagen, außer dass es kaum eine schönere, poetischere und vergnüglichere Personifikation von "Einklang mit der Natur" gibt.

Der erste Band der Trilogie schließt mit einem großen Showdown ab, der viel Spannung verspricht, einige Fragen beantwortet und gespannt auf den nächsten Teil macht, ohne dass er mit einem Cliffhanger endet.

Fazit

Wie oben bereits geschrieben stellt die Reihe meine liebste Jugendbuch-Reihe dar. Dies liegt zum Einen an der genialen Konstruktion der Geschichte, zum Anderen an den wunderschönen Beschreibungen der Landschaft, sowie der durchweg gelungenen Charakterisierung der Figuren. Selbst der böse Verfolger Sethur dürfte seine Fans haben, da er wunderbar zynisch und intelligent beschrieben wird. Einen Hinweis muss ich jedoch geben, der auf manche vielleicht abschreckend wirken mag. Wie vielleicht schon aufgefallen ist, scheint Glaube und Religion eine wichtige Rolle in diesen Büchern zu spielen - und ja das ist auch so. Yonathan ist im Auftrag keines Geringeren als Gott unterwegs und Glaube und vollkommene (Nächsten-)Liebe werden als ein (der) Weg sein Ziel zu erreichen präsentiert. Jedoch gelingt dies auf eine Weise, die sich mit unseren allgemeinen Werten wie Liebe, Solidarität und Verständnis deckt, dass meiner Meinung nach selbst Atheisten dieses Buch unbeschadet lesen könnten ;-).



Sonstige Infos
Autor: Ralf Isau
Titel: Die Träume des Jonathan Jabbok
Reihe: Teil 1 einer Trilogie
Verlag: Thienemann Verlag, gebunden mit Schutzumschlag
Veröffentlichung: 1. August 1995
Seiten: 460
Preis: unterschiedlich, da es neuere Taschenbuchausgaben gibt und meine (Abbildung) nicht mehr verlegt wird


Kommentare:

  1. oh, eine tolle rezension. ich fand die buecher damals auch toll und habe sie verschlungen. ich besitze auch diese ausgabe im sammelschuber, der ist wunderschoen :)
    deine punkte kann ich alle so unterschreiben und ja, ich fand din-mikkith auch total toll, eindeutig einer meiner lieblingscharaktere^^

    die idee mit den gastrezensionen finde ich gut, so erfahren wir von noch mehr buechern und ich finde, dass deine schwester das sehr gut gemacht hat, die rezension klingt echt gut. ich haette kein problem, noch ab und zu von ihr zu hoeren, bzw zu lesen ;)

    glg, cyhmc

    p.s. sorry für den geloeschten kommentar

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    1. Kaugummiqueens Schwester23. Januar 2013 um 18:41

      Hey,

      Die Cover der Reihe, die wir beide scheinbar besitzen sind wieder mal Cover, die ich echt gut finde (nicht zu kitschig und vor allem Inhaltsbezogen), aber andere (ich denke meine Schwester gehört auch dazu) eher nicht so ansprechend finden.
      Ralf Isau hat es einfach geschafft tolle Figuren zu erfinden. Nicht nur Din-Mikkith, sondern auch Galal das Traumfeld aus Band 2 ist wunderbar.

      Freut mich, dass dir meine Rezension gefallen hat. War gar nicht so einfach, da ich die Bücher derzeit auch nicht neben mir liegen habe, sondern alles aus der Erinnerung geschrieben habe.
      Vom Stil her hab ich versucht mich den Rezensionen meiner Schwester anzupassen, die mir wirklich (natürlich^^) gut gefallen.

      Ich schätze, dass von mir noch mal was hier zu lesen sein wird, mindestens noch über die fehlenden zwei Bände der Neschan-Trilogie.

      Lg
      Kaugummiqueens Schwester

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  2. Die Reihe ist für mich schon ewig her, aber vor 13-14 Jahren habe ich die auch alle gelesen und zwar wirklich gerne. Leider fast alles vergessen.

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    1. Kaugummiqueens Schwester22. Januar 2013 um 23:26

      Hallo Sarah,

      also 10 Jahre sind es auch bei mir mindestens her. Ich war damals in der empfohlenen Altergruppe 13-16. Jedoch mag ich diese Reihe so dermaßen, dass ich sie bereits 5 oder 6 mal gelesen habe und sie sicherlich auch noch einige Male lesen werde. Und es sind auch Bücher, die man gerne mehrfach lesen kann, da bestimmte Details, die vor allem im dritten Teil eine Rolle spielen ja schon in den ersten beiden Teilen vorkommen, aber ohne das Wissen des dritten Bandes, kaum auffallen.

      Einfach toll konstruierte Jugendbücher, die auch Erwachsene immer noch begeistern. Und was mich besonders freut, auch mal von einem deutschen Autor. Heute werden meiner Beobachtung nach fast nur noch ausländische Fantasy-Romane gelesen, dabei haben auch die deutschen Autoren einiges zu bieten

      Lg
      Kaugummiqueens Schwester

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  3. Ui, die Neschan-Trilogie. Das war auch eine meiner liebsten Jugendreihen, die habe ich auch definitiv häufiger als einmal gelesen. Ich fand die Bücher damals so toll! Auch wenn meine Erinnerung mittlerweile sehr verschwommen ist, es ist aber auch schon weit über zehn Jahre her ...

    Im Nachhinein stört mich der starke Religionsbezug sehr, aber den hat Ralf Isau in vielen (allen?) seiner Bücher. Hm. Als Kind habe ich das gar nicht so realisiert, das wurde mir erst im Nachhinein so bewusst.

    Viele Grüße
    Miyann

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  4. Kaugummiqueens Schwester25. Januar 2013 um 16:52

    Hallo Miyann,

    wie ich ja schon in der Rezension schrieb, kann es sein, dass einen dieser Religionsbezug abschreckt. Ich habe damals (als 12-14 jährige)schon darüber nachgedacht und für mich entschieden, dass es mich nicht so stört, da zwar der Glauben eine große Rolle spielt, aber noch viel mehr menschliche Werte wie Liebe, Freundschaft, Unvoreingenommenheit etc. Außerdem fand ich es eigentlich ganz interessant herauszufinden, welche Figur in der Religion Neschans mit unseren oder den jüdischen Elementen übereinstimmt, bzw.an welche sie angelehnt sind.

    Lg
    Kaugummiqueens Schwester

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